Grundsätze gymnasialer Pädagogik
Liebe Eltern,
den Lehrern am Kolleg ist es ein großes Anliegen, Ihnen einige Informationen zu diesem Thema zu geben. Immer wieder fällt uns auf, dass es Unterschiede gibt zwischen dem, was Eltern als gymnasiales Anspruchsniveau erachten, und dem, was am Gymnasium von den Schülern gefordert wird. Deshalb würden wir Ihnen gern die Zielsetzungen und das christliche Profil unserer Schule vorstellen. Nehmen Sie sich bitte etwas Zeit und lesen Sie in Ruhe die folgenden Zeilen durch.
Das Kolleg der Schulbrüder in Illertissen ist ein Gymnasium des Schulwerks der Diözese Augsburg. Für eine katholische Schule ist es oberstes Prinzip, den Unterricht auf der Grundlage eines christlichen Menschen- und Weltbildes zu erteilen und den Schülern Anregungen zur Orientierung an christlichen Glaubens- und Wertvorstellungen zu geben.
In einer Zeit zunehmenden Werteverlustes und Wertewandels liefern also gerade katholische Schulen sinnstiftende Antworten, um einer sich immer mehr verbreitenden moralischen Leere entgegenzuwirken. Die Orientierung an Werten hilft den Schülern, zu einer lebens- und zukunftsbejahenden Einstellung zu finden.
Als kirchliche Schule bemÃüht sich auch das Kolleg der Schulbrüder darum, den jungen Menschen ganzheitlich zu erziehen und nicht nur seine kognitive, sondern auch seine emotionale und kreative Begabung durch ein entsprechendes Angebot im musischen und künstlerischen Bereich zu fördern.
Dieses Bestreben spiegelt sich wider im Artikel 131 der Verfassung des Freistaates Bayern:
1) Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.
2) Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungs-freudigkeit, Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt.
Die verschiedenen Bildungsziele sind demnach:
Selbstkompetenz bzw. personale Kompetenz (Selbstständigkeit, Urteilsfähigkeit, Ausdauer, Leistungsbereitschaft, Eigeninitiative)
- Sozialkompetenz (Teamfähigkeit, Toleranz, die Fähigkeit zur Konfliktlösung und die Bereitschaft, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen: soziales und intellektuelles Lernen sollen Hand in Hand gehen.)
- ethische Kompetenz (indem Schüler nicht nur Werte kennen lernen, sondern auch das Werten lernen und so zu Urteilsfähigkeit gelangen und den Sinn des eigenen Handelns reflektieren)
- fachliche Kompetenz (um auf Studium und Beruf vorbereitet zu sein).
Da jedoch das Gymnasium mit der Vergabe des Abiturs die Verleihung der Hochschulreife als Ziel im Auge hat und der Gymnasiast die allgemeine Studierfähigkeit erwerben soll, muss allen Beteiligten klar sein, dass zentrale Bereiche gymnasialer Pädagogik nach wie vor die Wissensvermittlung und der Erwerb von Bildung im Sinne einer zeitgemäßen, vertieften Allgemeinbildung sind.
Für das Gymnasium steht folglich neben der Persönlichkeitsbildung die intensive Vorbereitung auf die Reifeprüfung im Vordergrund. Katholische Schulen wollen im Besonderen auf die Lebenswirklichkeit vorbereiten! Aus diesem Grund halten sie unverrückbar am Prinzip und Stellenwert der Leistung fest und erwarten von Eltern und Schülern, zu dieser Zielsetzung zu stehen und an ihr mitzuarbeiten.
Das bayerische Kultusministerium beschreibt nach dem derzeit gültigen Lehrplan des G8 die Anforderungen des Gymnasiums folgendermaßen:
"Schüler des Gymnasiums sollen
geistig besonders beweglich
und phantasievoll sein,
gern und schnell, zielstrebig
und differenziert lernen
sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen.
Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinander zu setzen
und dabei zunehmend die Fähigkeit zu Abstraktion und flexiblem Denken,
zu eigenständiger Problemlösung
und zur zielgerichteten Zusammenarbeit in der Gruppe entwickeln."
Neben ihrer intellektuellen Begabung und geistigen Beweglichkeit müssen Gymnasiasten also eine innere Bereitschaft zum Lernen, Begeisterungsfähigkeit sowie ein angemessenes Sozialverhalten mitbringen.
Wesentlicher Bestandteil der pädagogischen Arbeit am Gymnasium ist die Vermittlung fachlicher Inhalte der einzelnen Lernfächer ebenso wie die Vermittlung von Schlüssel-qualifikationen.
Dazu zählen im personalen und sozialen Bereich Zielstrebigkeit, Belastbarkeit, Konzentration, Ausdauer, Zuverlässigkeit, Aufgeschlossenheit, Ordnungssinn, Sorgfalt, Genauigkeit, Pünktlichkeit, Selbstbeherrschung, Kooperationsbereitschaft, Einfühlungsvermögen, Hilfsbereitschaft, Geduld, Mitverantwortung und Solidarität.
Im kognitiven Bereich gilt es, Lern-, Abstraktions-, Differenzier-, Transfer- und Kritikfähigkeit, das Denken in komplexen Zusammenhängen (vernetztes Denken) zu entwickeln. Dazu kommen kommunikative Fähigkeiten wie sprachliches Ausdrucksvermögen und Argumentationsfähigkeit sowie die Gabe, gut zuhören zu können.
Um diese hohen Zielvorgaben erreichen zu können, wird eine Kultur der Anstrengung benötigt.
Bildung gibt es nicht zum Nulltarif.
Es bedarf anhaltenden Fleißes, des Willens zur Anstrengung, des Durchhaltvermögens und der Bereitschaft dazu, seinen eigenen Beitrag selbstverantwortlich zu leisten.
Am Gymnasium ist ein hohes Maß an Eigenleistung und Anstrengungsbereitschaft der Schüler unverzichtbar. Nur kontinuierliches selbstständiges Arbeiten bzw. Lernen führt zum Erfolg.
Dazu gehören neben entsprechender Aufmerksamkeit im Unterricht ein beständiges Üben und Wiederholen. Gerade darin aber liegt der krasse Widerspruch zu unserer spaßorientierten Gesellschaft, die auf sofortige Erfolge und Belohnungen für kurzfristige Anstrengungen hin ausgelegt ist.
Die alten Römer sagten: "Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt."
Diese Erkenntnis gilt nicht nur für den Bereich des Sports, sondern gerade auch für schulisches Arbeiten, das einen langfristigen und mühsamen Prozess des Lernens bedeutet. Die moderne Gesellschaft verlangt gar die Befähigung zu lebenslangem Lernen. So gilt es für junge Menschen schon frühzeitig zu erkennen, dass die Bereitschaft zur Anstrengung und zum Engagement lohnenswerte Eigenschaften sind.
Doch die Schüler dürfen auf diesem Weg nicht allein gelassen werden: Der Bildungserfolg der Schule hängt nicht zuletzt davon ab, welches Ansehen Leistung, Anstrengung und Wertevermittlung im Elternhaus genießen.
Zu Recht erhob die ehemalige Kultusministerin, Frau Hohlmeier, die Forderung, dass Lernen und Leistung auch im Elternhaus wieder die nötige Wertschätzung erfahren sollten (vgl. EZ, Die Elternzeitschrift des Bayerischen Kultusministeriums, Nr. 1/02, S.l0).
Ein erfolgreiches Arbeiten der Gymnasiallehrer ist nur dann möglich, wenn Elternhaus und Schule an einem Strang ziehen.
In folgenden Punkten könnten Sie, liebe Eltern, deshalb wesentlich zum Schulerfolg ihres Kindes beitragen:
- Entwickeln fester Arbeits- und Lerngewohnheiten( z.B. das Bereitstellen eines geeignetenArbeitsplatzes und Schaffen einer ungestörten Lernatmosphäre ohne Fernseher etc.) in der Unterstufe
- wiederholte Einsicht in die Heftführung (leserliche Schrift und saubere äußere Form tragen eben-alls zum Lernerfolg bei!), Wissen um die Hausaufgaben und anstehenden Leistungserhebungen
- Kenntnis des aktuellen Notenstandes
Einräumen der Priorität von Schule vor Freizeit- oder Jobinteressen
Überwachung des regelmäßigen Schulbesuchs (gerade in der Oberstufe) und regelmäßiger Kontakt zu den Lehrern
Bemühen um ein offenes, vertrauensvolles Verhältnis zu Lehrern und Schulleitung.
Wir bitten Sie besonders, auf ein gewaltfreies und dem Unterricht förderliches Verhalten bei Ihren Kindern hinzuwirken.
Aus dem Inhalt des Schulvertrags ist Ihnen, liebe Eltern, sicherlich noch in Erinnerung, dass die Schule ihren Auftrag in der gemeinsamen Verantwortung aller Beteiligten zu erfüllen versucht. Wir Lehrer wissen dabei auch um unsere eigenen Schwächen und stehen genauso in einem ständigen Lernprozess wie Ihr Kind.
Deshalb dürfen Sie sicher sein, dass wir um Verständnis für die Probleme unserer Schüler bemüht sind. In diesem Sinne hoffen wir auf eine gedeihliche Zusammenarbeit zum Wohle Ihres Kindes.
Der Schulleiter
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