Innere Schulentwicklung - Teamentwicklung

Mit dem für das Schuljahr 2002/03 startenden Projekt der Teambildung in der 5. Jahrgangsstufe soll nun auch am Kolleg der Schulbrüder den Augsburger Thesen und den Konzeptvorschlägen zur inneren Schulentwicklung Rechnung getragen werden.

These 10 lautet: „ Lehrerinnen und Lehrer sollen sich nicht als Einzelkämpfer, sondern als Mitglieder eines leistungsfähigen pädagogischen Teams erleben, in dem der gegenseitige Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Hilfe einen wesentlichen Beitrag zu einer neuen Berufszufriedenheit leisten kann. Angebote wie Supervision, Aufbau eines Netzwerks benachbarter Schulen, die Anregungen und Erfahrungen austauschen, sollen ausgebaut und erprobt werden."

Die Teamentwicklung ist dabei Organisationsentwicklung und Unterrichtsentwicklung zugleich. Durch eine intensivere Kooperation der einzelnen Lehrkräfte und eine ständige Absprache untereinander soll die Belastung des Einzelnen verringert werden. Für LehrerInnen bedeutet Teamentwicklung das Schaffen formaler Gruppen, die mit klaren Absprachen und gemeinsam definierten Zielvorgaben zusammenarbeiten und sich so die Chance eröffnen, das Wir-Gefühl unter KollegenInnen zu stärken, die sich bisher im Schulalltag stark als Individualisten und Einzelkämpfer erfahren haben.

Ein konkretes Ziel der Teamentwicklung ist es folglich, sowohl die Arbeitsbelastung durch einen Austausch an Erfahrungen, Tipps und Unterrichtsmaterialien zu reduzieren als auch im Rahmen der Kommunikation untereinander die Anforderungen - z.B. bei Leistungserhebungen - innerhalb der Fachschaften zu harmonisieren und so auch nach außen hin zu mehr Geschlossenheit und pädagogischer Gemeinsamkeit zu finden. Diese Harmonisierung der Arbeitsweisen und Anforderungen reduziert mögliche Angriffsflächen der Kritik, die von außen an die LehrerInnen herangetragen wird. Der anfängliche zeitliche Mehraufwand führt andererseits längerfristig zu deutlich höherer Berufszufriedenheit und emotionaler Entlastung. Lehrerinnen erleichtern sich den Berufsalltag, indem sie ihre Kommunikations- und Feedbackkultur ausbauen und im Rahmen des Teamprozesses Widerstände und Probleme gemeinsam zu überwinden und zu lösen versuchen. Mit einem derart konzertierten pädagogischen Handeln können sie gleichzeitig in erheblichem Maße zu einer Imageförderung beitragen und die Wertschätzung ihrer Arbeit bei den Eltern fördern. Eine insgesamt verbesserte intensivere Zusammenarbeit führt konsequenter Weise auch zu einem besseren Schulklima.

These 8: „ Eine erweiterte Methodenkompetenz der Lehrer bildet die Grundlage für einen qualitätsvollen und modernen Unterricht. Jede Lehrkran sollte über eine Palette verschiedener Unterrichtsmethoden verfügen wie etwa Lernzirkel, Erarbeitung eines Stoffgebiets im Team oder Freiarbeit."

These 9: „Unterrichtsgestaltung und Leistungserhebungen müssen daraufhin überprüft werden, wie statt des weit verbreiteten und wenig effizienten punktuellen Lernens Nachhaltigkeit und vernetztes Denken in den Vordergrund rücken können."

These 11: „Schülerinnen und Schüler sollen schrittweise die Rolle der passiv Belehrten zugunsten der aktiv Gestaltenden verlassen. Durch das Angebot neuer Unterrichtsmethoden, die Leistungsbereitschaft und Fantasie stärker einfordern, sowie durch selbstgesteuerte Lernprozesse sollen sie Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit gewinnen."

Da wir uns mit der Schulentwicklung im Bereich der Teambildung erst auf den Weg machen, ist es besonders sinnvoll damit in der 5. Jahrgangsstufe zu beginnen. Dazu wurden im Schuljahr 2002/03 erstmals offizielle Jahrgangsstufen- und Klassenteams gebildet. In 3er-Teams wird nun mit den Lehrerinnen der Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik der Versuch unternommen die oben angeführten Thesen in die Praxis umzusetzen.

In Zeiten ständig neuer Anforderungen an die Schule (von Seiten der Schülerinnen, der Eltern und der Bildungspolitik), bei verändertem Lernverhalten der Schülerinnen (die stark mediengeprägt, verwöhnt, unselbstständig, hedonistisch und häufig mit wenig Sozialkompetenz ausgestattet sind) und einem gleichzeitig steigenden Entlastungsbedarf unter den Lehrern macht es gewiss um so mehr Sinn, neue Wege gemeinsam zu gehen und von unten her damit anzufangen. Um Schüler mit neuen Lehr- und Lernverfahren zu eigenverantwortlichem Handeln zu führen und ihnen auf der Basis von persönlicher Kompetenz, Sozialkompetenz, Methodenkompetenz und Fachkompetenz zum Erwerb von Schlüsselqualifikationen (wie z.B. Selbstständigkeit, Flexibilität, Eigeninitiative, Problemlösungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Beherrschung von Methodenvielfalt) zu helfen, bedarf es des Methoden- und Kommunikations- trainings sowie der gezielten Anleitung zur Gruppenarbeit von Seiten der Lehrerinnen, die sich diese neuen Lehrmethoden teilweise erst selbst aneignen müssen. Gerade hier gilt die Devise 'Gemeinsam schafft man dies besser und leichter.'

Methodenerweiterung durch schüleraktivierende (offene) Unterrichtsformen

Nachdem die neuen Gymnasiasten in der Grundschule bereits einschlägige Erfahrungen mit neuen Unterrichtsformen und schüleraktivierenden Lehrmethoden gemacht haben, die die Eigentätigkeit und Kreativität der Kinder durch handlungsorientiertes, entdeckendes und problemlösendes Lernen, durch Projektarbeit u.a.m. in den Mittelpunkt der Unterrichtsgestaltung rückten, kann nun am Gymnasium daran angeknüpft werden. Die Methodenvielfalt durch die aufnehmenden Lehrer in der Sekundarstufe I erleichtert den Kindern dadurch deutlich den Einstieg am Gymnasium, da diese ja von der Grundschule her die so genannten offenen Formen des Unterrichts wie materialgestützte Freiarbeit, Gruppenarbeit, Wochenplan, Lernen an Stationen (Lernzirkel) oder Gruppenpuzzle bereits, gewohnt sind. So wird damit fortgefahren, aktives und selbstständiges Lernen ebenso zu ermöglichen wie individuelles und partnerschaftliches Arbeiten weiter zu fördern.

Ziel ist es damit in kleinen Schritten die Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Teamfähigkeit der Schülerinnen in besonderem Maße zu stärken und die Nachhaltigkeit des Lernprozesses zu fördern.

Die neuen Formen des Unterrichts dienen der Steigerung der sozialen und kommunikativen Kompetenz und streben langfristig den Erwerb wichtiger Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Flexibilität, Fähigkeit zum Strukturieren und Organisieren von Arbeits- und Lernprozessen, vernetztes Denken, eigenständige Informationsbeschaffung, dem Erlernen von Techniken des Wissenserwerbs und der Präsentation des Gelernten an.

Damit sich die Schülerinnen früh daran gewöhnen, dass sich die einmal erworbenen Methoden und Arbeitstechniken auch in anderen Fächern anwenden lassen und so tatsächlich eine Methodenkompetenz und die Fähigkeit zum vernetzten Arbeiten und Denken entwickeln, sollte für diese Unterrichtsformen vor allem im 2. Schulhalbjahr nach Möglichkeit in Deutsch, Englisch und Mathematik jeweils eine Unterrichtsstunde pro Woche eingeplant und angeboten werden. Schwerpunkt dieser Unterrichtsstunden wird vor allem die Übung, gezielte Wiederholung und Vertiefung bereits behandelter Inhalte und Strukturen sein. Schülerinnen sollen dabei lernen, ihren Lernprozess selbst zu planen, zu steuern, zu organisieren und Eigeninitiative zu ergreifen anstatt nur immer Lehrervorgaben zu befolgen. Dieses Selbstmanagement soll zudem den pädagogischen Nebeneffekt erzielen der Bequemlichkeit, der Lustlosigkeit, dem Desinteresse, der mangelnden Kommunikationsfähigkeit und Sprachlosigkeit sowie einem zu schwach ausgeprägten Sozialverhalten der Schülerinnen entgegenzuarbeiten.

Diese sollen wieder mehr Freude am eigenen Tun entwickeln und langfristig besser dazu in die Lage versetzt werden, ein bestimmtes Wissen auch tatsächlich zu beherrschen.

M. Schöpplein